Die Ukraine hat zum dritten Mal den ESC gewonnen. In einem erwartbaren Showdown zwischen dem Vereinigten Königreich und der Ukraine konnte letztere aufgrund eines bombastischen Televoting-Ergebnisses den Sieg erringen. Die gesamte Punktetabelle sieht so aus:
Die ganz große Blamage ist dem deutschen Act dank der 6 Televoting-Punkte doch erspart geblieben, dennoch fragt man sich, warum genau die Jurys sich für handgemachte Musik gepaart mit einem beeindruckenden Rap-Solo so gar nicht begeistern konnten. Da kommen mit die 103 Jury-Punkte für Aserbaidschan wie blanker Hohn vor. Was nicht heißen soll, dass ich mit einem Top10-Ergebnis gerechnet habe, aber die blanke 0 bei immerhin 39 anderen Länder-Jurys ist schon eine ziemliche Frechheit.
Dass die Ukraine das Televoting dominieren würde und am Ende genau deswegen siegreich vom Platz geht, war hingegen keine große Überraschung. Selbst ein Mittelfeld-Platz im Juryvoting hätte das nicht verhindern können. Und doch steht die EBU wohl ab sofort mit ihrer Mär vom unpolitischen Musik-Wettbewerb auf verlorenem Posten. Kalush Orchestra und Stefania wären rein musikalisch durchaus im Bereich von Go_A und deren 5. Platz 2021 zu verorten, aber die hatten nur halb so viele Televotes wie ihre Nachfolger.
Insgesamt gab es dann aber doch kaum extreme Schock-Momente. Dass die Schweiz, Aserbaidschan und Australien im Televoting mit dramatischen Balladen abschmieren würden ist inzwischen fast schon ein Running Gag beim ESC, man erinnere sich an Tschechien 2016 oder auch Österreich 2019. Neu hingegen in der ESC-Geschichte ist die Tatsache, dass sich ein Act trotz 0-Punkte-Ergebnis in einem der Votes im Semfinale dennoch fürs Finale qualifizieren konnte. Dieses Kunststück ist Aserbaidschan gelungen, die ich aufgrund der erwartbaren Liebe durch die Jurys und der ebenso erwartbaren Ignoranz durchs Publikum auf dem letzten Platz gesehen hatte.
Dieser ESC war definitiv mehr als nur ein Musikwettbewerb. Er hat aufgezeigt, mit welchen Ländern Europa im Moment solidarisch ist. Und das waren in diesem Fall eben Moldawien und die Ukraine, denen man in der aktuellen Situation nur alles Glück der Welt wünschen und sie für Ihren Mut bewundern kann. Wenn man mich fragt, sollte für den Fall, dass die Ukraine in einem Jahr noch keinen ESC auftragen kann, das UK einspringen. Wäre ja schließlich nicht das erste Mal, dass die Briten das tun und in diesem Fall wären als als Zweitplatzierter des Vorjahres auch moralisch dazu berechtigt wie ich finde.
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