Ich erlebe gerade ein kleines Déjà-vu: der ESC findet in Österreich, genauer in der Stadthalle in Wien statt und ich werde wieder im Großen Finale einen Stehplatz direkt vor der Bühne haben. Deutschland werden erneut keine großen Chancen auf eine vordere Platzierung ausgerechnet und uns vertritt eine charmante junge Brünette mit einem englischsprachigen Titel. Ein junger Mann aus der Republik Moldau eröffnet mit einer energiegeladenen Uptemo-Nummer das erste Semifinale und ein weiteres Land aus Osteuropa dann das zweite Semifinale. Es könnte außerdem gut passieren, dass wir und Österreich uns erneut die Rote Laterne teilen und dass ein nordeuropäisches Land den Sieg davonträgt. Der einzige Unterschied: wir haben 2026 und nicht mehr 2015. Willkommen beim ESC 2026 - love in rewind!
Es sind leider noch mehr Unterschiede zum ESC von vor elf Jahren. Wir haben 5 Länder weniger, da sich die Niederlande, Slowenien, Irland, Island sowie das Big5-Land Spanien aus Protest gegen die Teilnahme Israels zu einem Boykott vereint haben. Australien wiederum kommt an den Ort zurück, an dem 2015 alles anfing und kann erneut mit einer Top-Platzierung rechnen. Doch um Down Under sollte sich alles erst übermorgen drehen, heute sind 15 andere Länder am Start. Und zwar folgende:
Es ist eine bunte Mischung, die uns hier erwartet. Vom nationalistisch angehauchten Ethno-Banger aus Moldau über die Techno-Nummer aus Schweden und das immaterielle Weltkulturerbe, den traditionellen Cante Alentejano aus Portugal bis hin zur Metal-Band mit gegröltem Finale aus Serbien. Und dazwischen gibt es viele weitere musikalische Perlen zu bestaunen.
Mit Senhit tritt für San Marino eine erfahrene Frau an, die erneut einen relativ abgehalfterten Ex-Promi mit auf die Bühne schleppt, es ist (wenn man 2020 mitzählt) ihre bereits vierte ESC-Teilnahme für die älteste Republik der Welt. Nach dem US-Rapper Flo Rida 2021 in Rotterdam, mit dem sie immerhin ins Finale einzog, soll es diesmal die 80er-Jahre-LGBTQ-Ikone Boy George aus England richten. Und diesmal dürfte es wohl sehr schwierig mit dem Finaleinzug werden.
Den Käärijä-Baby-Lasagna-Tommy-Cash-Gedächtnis-Auftritt bekommen wir diesmal von Akylas aus Griechenland serviert, mit seiner Nummer über die Konsumgeilheit der heutigen Tage und einem sehr fragwürdigen Outfit. Dürfte wohl sicher weiter sein. Wien ist außerdem ein denkwürdiges Pflaster für die kleine Balkan-Republik Montenegro, hat man hier doch vor elf Jahren mit Platz 13 seine bisher beste Platzierung erreicht. Und seitdem hat das Land auch kein ESC-Finale mehr von innen gesehen, wartet unter allen Teilnehmerländern somit am längsten auf den erneuten Finaleinzug. Nur: ob das mit der Nummer von Tamara Živković über die Emanzipation der modernen Frau in Osteuropa etwas wird?
Für einen Akt der nachträglichen ausgleichenden Gerechtigkeit dürfte die Teilnahme der Polin Alicja stehen, scheiterte ihre Teilnahme 2020 an der damals ausgebrochenen Corona-Pandemie. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten wurde sie 2021 jedoch nicht automatisch zur Vertreterin und musste sich noch 2x im polnischen Vorentscheid versuchen, ehe es mit der ESC-Teilnahme nun endlich geklappt hat. Nur irgendwie tragisch, dass trotz stimmlicher Höchstleistung am Ende das Nichts von einem Song der Grund sein könnte, dass sie es dennoch nicht ins Finale schafft. Mir persönlich jedenfalls hat ihr Betrag "Empires" von damals wesentlich besser gefallen als die R'n'B-Nummer aus diesem Jahr.
Wer es wohl ins Finale schafft habe ich bereits gestern prognostiziert und eines steht jetzt schon fest: mindestens fünf werden es auf jeden Fall schaffen, alles andere wäre mathematisch unmöglich. Und außerhalb vom Wettbewerb dürfen wir uns auf das Opening von Vicky Leandros freuen, die 59 Jahre nach ihrer ersten ESC-Teilnahme 1967 in Wien mit "L'amour est bleu" und 54 Jahre nach ihrem ESC-Sieg mit "Apres toi" (1972 im schottischen Edinburgh) erneut die große ESC-Bühne betreten wird. Und natürlich auf die ersten Performances der Big4-Mitglieder Italien und Deutschland. Es verspricht in jedem Fall eine tolle Show zu werden. Happy Eurovision!
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HEUTE: 1. SEMIFINALE LIVE AUS WIEN, UM 21:00 UHR AUF ONE!
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